Evaluation der Behandlung von Opioidabhängigen im bayerischen Justizvollzug

Projektbeschreibung

Das Projekt „Haft bei OPioidabhängigkeit – eine Evaluationsstudie“ (HOPE-Studie) untersucht die Behandlung opioidabhängiger Inhaftierter im bayerischen Strafvollzug.

Mittlerweile liegen zahlreiche Studien vor, die positive Effekte einer Opioidsubstitution (zum Beispiel mit Methadon) belegen konnten. Substituierte Personen konsumieren im Schnitt weniger illegale Opioide, werden seltener straffällig, zeigen weniger gesundheitsschädliches Verhalten (z.B. durch gemeinsame Spritzenbenutzung) und weisen bessere Überlebensraten auf. Aus diesem Grund ist die Substitutionstherapie nach den Richtlinien der Bundesärztekammer 2017 als Methode der Wahl bei Opioidabhängigkeit etabliert. Aufgrund der Besonderheiten der Haftbedingungen (z.B. bessere Gesundheitsversorgung, ständige Aufsicht) ist allerdings unklar, ob auch bei Inhaftierten eine Substitutionsbehandlung grundsätzlich die Methode der Wahl ist. Bislang wurden bei inhaftierten Opioidabhängigen in Deutschland überwiegend abstinenzorientierte Therapien durchgeführt, wobei die Zahl der Personen, die beispielsweise mit Methadon substituiert werden, in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist. Für Deutschland gibt es bisher keine verlässlichen Forschungsdaten.

Ziel des Forschungsprojektes ist die Evaluation unterschiedlicher Behandlungsarten von Opioidabhängigen während der Inhaftierung im bayerischen Strafvollzug. So soll einerseits untersucht werden, inwieweit die bisherigen Erkenntnisse zur Behandlung von Opioidabhängigen auf die spezifischen Behandlungsbedingungen übertragbar sind, welche Gefangenen von einer Substitutionsbehandlung profitieren, welche Dosierung und welcher Zeitraum für eine intramurale Substitutionsbehandlung sinnvoll erscheinen. Andererseits soll konkretisiert und empirisch geprüft werden, in welchen Fällen eine primär abstinenzorientierte Therapie aussichtsreich erscheint.

Zur Klärung dieser Fragen sollen opioidabhängige Inhaftierte im bayerischen Strafvollzug vor der Haftentlassung und mehrfach im ersten Jahr nach Haftentlassung ausführlich zu ihrem Befinden und ihrer Lebenssituation befragt werden. Start der Erhebungen ist für Anfang 2020 geplant, das Projekt läuft bis Ende 2022.

Die Befunde dieser Untersuchung sollen zur Versachlichung der Diskussion um die Substitutionsbehandlung von opioidabhängigen Gefangenen im bayerischen Justizvollzug beitragen und die Entscheidungsfindung der Anstaltsärzte erleichtern.

Ansprechpartner:
Dr. Maren Weiss: maren.weiss@fau.de
Michael Dechant: michael.dechant@fau.de
Kerstin Geißelsöder: kerstin.geisselsoeder@fau.de